Interview mit Simon Tischer

hm: Fünf Jahre Simon Tischer in Pfalzgrafenweiler, weitere fünf Jahre in Aussicht. Wir feiern sozusagen ein „Bergfest“. Da lohnt sich doch ein Blick zurück und natürlich auch nach vorne!

hm: Simon, welche Erinnerungen sind dir an dein Vorstellungsgespräch geblieben?
Simon: Die Einladung zum Vorstellungsgespräch erreichte mich auf dem Weg nach Österreich. Es war ein schöner Sommertag als ich in Pfalzgrafenweiler ankam, aber ich fand das Gemeindehaus nicht! Die erste Person, die ich danach fragte, konnte mir auch nicht weiterhelfen.. Schließlich hat´s doch geklappt. Mein erster Eindruck war: Dieser Raum ist zu voll, zu viele Menschen Später rief mich Oliver Vellm an, um mir die Zusage mitzuteilen.
hm: Was hatte dich motiviert, dich in Pfalzgrafenweiler zu bewerben?
Simon: Die Nähe zu meiner Heimat Herrenberg. Es ist für mich die richtige Mischung aus Nähe und Distanz
hm: Du hast einen Erstberuf, warst in der Computerbranche tätig. Was hat dich motiviert einen so „radikalen“ Neustart zu wagen?
Simon: Ab 2000 war ich sonntags im Evangelischen Jugendzentrum LOGO in Herrenberg aktiv. Im Laufe der Zeit haben sich bei mir die Vorzeichen gedreht, d.h. ich merkte, dass ich mir diese Tätigkeit auch als Beruf vorstellen konnte. Über den Leiter des LOGO wurde ich auf die Evangelische Missionsschule in Unterweissach aufmerksam gemacht. Bevor ich dort anfangen konnte, absolvierte ich noch ein Vorpraktikum in der Evangelischen Kirchengemeinde Heidelsheim/Helmsheim.
hm: Decken sich deine damaligen Erwartungen an deine Aufgaben als Jugendreferent mit den Erfahrungen der letzten fünf Jahre?
Simon: Ja. Die Aufgabenfelder sind eindeutig durch meinen Dienstauftrag formuliert. Meine Erwartungen entwickeln sich mit. Ich habe große Freiheit in meinem Handeln. So ist die offene Jugendarbeit mit der Schule und der Streetworker-Tätigkeit gekoppelt. Für mich ist das genau das, was ich wollte. Durch die Schule hat sich meine Tätigkeit sehr gewandelt. Ich bin mit einzelnen AG-Angeboten eingestiegen. Nachdem mir innerhalb der letzten Jahre eine Aufbauausbildung zum Diakon und Religionspädagogen ermöglicht wurde, kann ich auch in der Schule gezielt tätig werden. Neben einem Dienstauftrag als Religionspädagoge, führe ich mit Teams das „Anti-Mobbing-Projekt“ durch und biete gemeinsam mit Jennifer Schilling ein Mittagsangebot in der Schülerlounge an. So entsteht und bleibt der Kontakt zu den Jugendlichen auch außerhalb kirchlicher Angebote.
hm: Wie formulierst du deinen Arbeitsauftrag in der Gemeinde?
Simon: Raus gehen und in die Kirche einladen! Ich bin in der Jugend präsent, lerne Leute kennen und kann sie zu kirchlichen Angeboten einladen.Meine Arbeitsgebiete sind die Offene Jugendarbeit, Streetwork, Schule, Mitarbeiterbegleitung und Konfiarbeit. Schön finde ich zum Beispiel die Mittwochsgruppe, da treffen sich Ex-Konfis und Schüler.
hm: Deine Arbeit wird durch Spenden finanziert. Dazu gehört auch ehrenamtliches Engagement deiner Unterstützer. Was macht das mit dir?
Simon: Ich empfinde eine Riesendankbarkeit. Manchmal ist es auch ein bisschen beschämend. Aber dass den Menschen meine Arbeit so wichtig ist, dass sie diese auf vielfältige Weise unterstützen, ist sehr schön.
hm: Simon, du reflektierst deine Arbeit mehrmals jährlich mit dem Arbeitskreis. Wie läuft das ab?
Simon: Meine Berichte laufen so, dass ich frei über meine Arbeit berichte. Daraus ergeben sich häufig intensive Gespräche. Ich kann meine Anliegen darlegen, auch musste ich bisher um nichts kämpfen.
hm: Du bist morgens in der Schule als Lehrer tätig und nachmittags in der offenen Jugendarbeit. Wie gehst du mit dieser Doppelrolle um?
Simon: Alles bis Klasse 4 muss mich siezen. Ab Klasse 5 gebe ich kein Reli mehr, dann müssen sie mich duzen!
hm: Du lebst am Ort deines Arbeitsplatzes. Wie schützt du deine Privatsphäre?
Simon: Die Jugendlichen bekommen meine Handynummer nicht. Mein Büro ist im Gemeindehaus, nicht zu Hause. Die Jugendlichen drängen nicht zu mir nach Hause, das liegt sicher auch an meiner Präsenz im Büro.
hm: Inzwischen bist du auch einige Stunden beim EJW Bezirk Freudenstadt tätig. Wie kam´s dazu?
Simon: Über eine Anfrage des EJW wurde ich Mitarbeiter bei einer Jugendfreizeit in Kroatien. Ich lernte neue Formen der Jugendarbeit kennen.Dann suchten sie für eine Jungsfreizeit Leitungspersonal. Nach Rücksprache mit dem Arbeitskreis meldete ich mich dafür, so dass sich meine Tätigkeit nun mit diesen 20 Prozent EJW auf eine 100 Prozent-Stelle ausgeweitet hat.
hm: Du wirst in deinem Tun durch Johannes Büchle fachlich begleitet. Wie läuft das ab?
Simon: Er ist meine persönliche Fachaufsicht. Wir führen regelmäßige Gespräche, das ist sehr wichtig und schön für mich.
hm: Wie erlebst du die Jugendlichen?
Simon: Aufgeschlossen und positiv!
hm: Gibt´s Bereiche für die dein Herz besonders schlägt?
Simon: Nein. Ich bin in allen Bereichen gleich gerne aktiv. Kleine Gruppen haben den Vorteil, dass der gemeinsame Umgang persönlicher ist.
hm: Wer stützt dich, wenn du belastende Erfahrungen machst oder Ratschläge brauchst?
Simon: Das hängt von der Situation ab. Ich habe einen sehr vertrauensvollen Umgang mit Johannes Büchle, zu dem ich kommen kann. In der Kirchengemeinde sind die beiden Pfarrer Gesprächspartner für mich. Auch meine Kontakte zu Studienkollegen aus Unterweissach helfen, ebenso wie Kollegen aus der Schule.
hm: Du arbeitest eng mit der Schulsozialarbeiterin Jennifer Schilling zusammen. Wie beschreibst du eure Kooperation?
Simon: Es sind die gleichen Jugendlichen mit denen wir zu tun haben! Wir pflegen einen bereichernden, freundschaftlichen Austausch und engagieren uns für gemeinsame Projekte, wie Schülerlounge bzw. Mittagsangebot. Außerdem pflegen wir einen sozialpädagogischen Austausch mit Harry Fritz.
hm: Hast du Visionen für die kommenden fünf Jahre?
Simon: Für unsere Kirchengemeinde wünsche ich mir, dass die Mitarbeiterwürdigung ausgebaut wird. Denn wir brauchen uns nur vorzustellen was es nicht gäbe, wenn es die Mitarbeiter nicht gäbe! Sollte unsere Schule irgendwann eine Ganztagsbetreuung anbieten, so hieße das für mich: Kirche in die Schule! Außerdem weiterhin eine blühende Jugendarbeit und im Flecken mehr Möglichkeiten für die Jugend die Kinder, die Jugend sind die Zukunft!
   
hm: steht für Michaela Hörnig-Meinecke